Schulprogramm
Inhaltsverzeichnis
- Veränderte Kindheit
- Pädagogisches Konzept
- Möglichkeiten der Umsetzung für „Die lesende Schule“
- Individuelle und ganzheitliche Förderung
- Selbstständiges Lernen und soziales Handeln
- Die Schule als Lebensraum des Kindes
- Die Rhythmisierung des Schulalltags
- Die Verlässliche Vormittagsbetreuung
- Offener Ganztag
- Zeugnisse und der Übergang in die Sekundarstufe I
- Lernen mit Kopf, Herz und Hand
- Freie Arbeit
- Wochenplan
- Projektorientiertes Arbeiten
- Ritualisierung im Schulleben
- Die neue Schuleingangsphase
- Der 1. Schultag
- Einschulungsbuch – Kinderbuch
- Die ersten Schulwochen der Schuleingangsphase
- Allgemeine Vereinbarungen
- Bewertungskriterien
- Englischunterricht
- Aufgaben und Ziele der handlungsorientierten Entwicklung
- Arbeitsgemeinschaften
- Wandertage
- Klassenfahrten
- Radfahrunterricht und -prüfung
- Spiel- und Sportfest
- Kooperation mit der Stadt, mit dem Ortsteil und mit dem Förderverein
- Zusammenarbeit mit Eltern und Großeltern
- Außerschulische Lernorte
- Zahnputzaktion des Gesundheitsamtes
- Schulwegeplan der Verkehrspolizei
Veränderte Kindheit Seitenanfang
So schnell wie sich heute die Welt verändert, verändert sich der Mensch nicht. Dennoch lassen sich bemerkenswerte Veränderungen bei unseren Kindern feststellen. Wann haben Sie zum letzten Mal Kinder gesehen, die gemeinsam ihre Umwelt durchstreift haben? Spielt ihr Kind noch mit Murmeln? Hat es sich je Spielzeuge z. B. aus Weidenruten gebastelt?Kinder leben heute anders. Sie sitzen des Vormittags in der Schule und treffen dort mit anderen Kindern zusammen. Am Nachmittag beginnt sehr oft das Leben in der Vereinzelung. Geschwisterkinder sind nicht mehr die Regel. Wo sollen unsere Kinder Sozialerfahrungen mit ihresgleichen machen? Am Nachmittag hat das heutige Kind Termine, nicht selbstgewählte, sondern von den Eltern vorgegebene. Wo soll das Kind Lebenserfahrungen sammeln, die es in seinem Selbstbewusstsein stärken, die es in seiner körperlichen Entwicklung positiv beeinflussen? Fast überall gibt es durch Menschen gesetzte „Grenzen“, die solche Erfahrungsräume in unserer Welt eliminiert haben. Kinder erleben den Nachmittag oft in ihren vier Wänden: sie hantieren mit ihren z. T. hochtechnisierten Spielzeugen, mit denen eine Phantasiereise kaum noch möglich ist. Der Computer erfordert die Einzelarbeit, den Walkman kann man auch nur allein hören und das Fernsehen führt in der Regel zwangsläufig zur Stille, weil sich menschliche Kommunikation nicht mit dem Ablauf des Geschehens auf dem Bildschirm vereinbaren lässt. Unsere Kinder werden so zur körperlichen und sprachlichen Passivität gezwungen. In der Schule sollen sie aber gute Leistungen im Fach Sport erbringen und über sprachliche Kompetenz verfügen. Wie soll das gehen, wenn sie am Nachmittag nicht in der Gruppe herumtoben und die Balance beim Beklettern eines Baumes üben können? Wie soll das gehen, wenn sie bei ihrer „passiven Beschäftigung“ nicht einmal gezwungen sind, miteinander zu reden? Diese beschriebene Verhaltensänderung beobachten wir mit Sorge.
Viele Kinder haben zusätzlich keine Möglichkeit, im Gespräch mit den Eltern ihre Ängste, Wünsche, Hoffnungen und Erlebnisse zu besprechen, weil diese sehr lange arbeiten oder durch ihre Abwesenheit einfach fehlen. Andere haben keine Großeltern oder andere Verwandte, die dies mit ihnen tun könnten. Vereinsamung, sprachliche Auffälligkeiten, mangelndes Selbstbewusstsein, Unerfahrenheit im Umgang mit anderen Menschen, körperliche Fehlentwicklungen sind z. B. Folgen dieser oben beschriebenen „modernen“ Kindheit, mit denen sich Schule täglich konfrontiert sieht. Wie sollen wir Lehrer darauf reagieren?
Was können wir, als recht kleine Grundschule Oberwinzerfeld im Hattinger Norden, dazu beitragen, dass die möglichen Defizite der uns anvertrauten Kinder nicht in allen oben genannten Lebensäußerungen noch größer werden? Wir verfügen sicherlich nicht über „Patentrezepte“, aber wir können mit unseren Mitteln versuchen, den Kindern eine einigermaßen kindgemäße und ihrer Gesamtentwicklung förderliche Lernumwelt in der Schule zu bieten, an die sie sich gerne zurückerinnern, und die ihnen Rüstzeug für ihr späteres Leben an die Hand gibt. Die lesende Schule
An dem Tag, da die Fantasie des Kindes keine Bilder mehr zu schaffen vermag, wird die Menschheit arm. Alles Große, das in der Welt vollbracht wurde, spielte sich zuerst in der Fantasie eines Menschen ab, und wie die Welt von morgen aussehen wird, hängt zum großen Teil vom Maß der Einbildungskraft jener ab, die heute lesen lernen.
Deshalb brauchen die Kinder Bücher.
Astrid LindgrenNeben anderen wichtigen pädagogischen Aspekten soll der Bereich „Lesekultur“ in unserem Schulprogramm einen besonderen Schwerpunkt erhalten.
Angesichts „veränderter Kindheit“ soll das Buch als wichtiges Element der Medienlandschaft einen entsprechend hohen Stellenwert in unserer Schule bekommen. Denn trotz der Ausbreitung elektronischer Medien und der sich immer weiterentwickelnden Informations- und Kommunikationstechnologien gilt nach wie vor das Lesen als der Schlüssel zur Kulturteilnahme. Lesen trägt entscheidend zur Entwicklung der Persönlichkeit bei, indem es Fantasie und Intellekt schult. Daneben ist es eine wichtige Voraussetzung für einen kritischen Umgang zur Mediennutzung insgesamt. Hierbei kommt der Schule und dem Elternhaus eine wichtige Funktion zu.
In den ersten Grundschuljahren lernt das Kind lesen und schreiben. Es beginnt eine Neuorientierung im Umgang mit Büchern, da das Kind sich nun in der Bücherwelt selbst orientieren und informieren kann. Das Schulkind kann jetzt selbst lesen. Neben der Vermittlung grundlegender Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Lesen setzen wir uns zur Aufgabe, die Lust am Lesen zu schaffen und zu erhalten, d.h. Leseförderung aktiv zu betreiben.
Um lebenslange Lesefreude aufzubauen und zu erhalten, soll die Leseförderung an unserer Schule in der Grundschulzeit bereits fest verankert werden. So sind immer wieder Leseprojekte fest eingeplant.Pädagogisches Konzept Seitenanfang
Schule und Klassenzimmer sollen eine anregende Leseumwelt bieten. Das Klassenzimmer soll bei uns ein Handlungsraum für alles werden, was mit Worten zu tun hat. Es ist ein Ort, wo Ideen durch mündliche, schriftliche, spielerische, künstlerische und kreative Ausdrucksmittel ausgetauscht werden können. Dazu gehört die Ausstattung von Schul- und Klassenräumen mit Lesestoffen (Bücher, Zeitschriften, selbst verfasste Schülertexte, Lesewände, Zeitungen u.ä.).
Individuelle Lesezeiten sollen im Schulalltag Platz haben. Diese Zeit wird einerseits benötigt, damit die Kinder ihre eigenen Ideen entwickeln und mit anderen besprechen können. Andererseits sind Geschichten ein Teil des menschlichen Wesens. Sie geben uns die Möglichkeit, uns und unsere Umwelt besser zu verstehen. Kinder erleben beim Hören von Geschichten in Wirklichkeit andere Welten und Kulturen, indem sie sich mit den Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen anderer Personen in deren jeweiliger Lage identifizieren und so mehr Verständnis und Einfühlungsvermögen entwickeln (Rückzugsmöglichkeiten in der Klasse, freies Lesen, Vorlesezeit, Ausleihmöglichkeiten zum Lesen in der Freizeit).
Lesehaltung entwickeln: Das bedeutet Leselust ohne Leistungsdruck. Wir wollen die Kinder bei ihren ersten Schritten in die Welt der Bücher inspirieren und die Liebe zum Lesen mit erwecken.
Lese- und Lektüreerfahrungen der Kinder sollen mehr als bisher zum Gegenstand des Unterrichts werden. (Kinder sollten sich über Gelesenes austauschen, über ihre Lieblingsbücher berichten, Texterschließung und Textgestaltung, kreatives Schreiben, zu Büchern Projekte machen, selbst Bücher herstellen, Ausstellungen vorbereiten und durchführen, Wandzeitungen herstellen, mit Autorinnen und Autoren Kontakte aufnehmen.)
Leseförderung soll lernbereichsübergreifend gestaltet werden. Sprache, Sachunterricht, Musik und Kunst/Textilgestaltung eignen sich dafür in besonderem Maße. Dieses projektorientierte Arbeiten könnte bei personellen Möglichkeiten zusätzlich von einer Literatur-Arbeitsgemeinschaft unterstützt werden.
Die Kooperation mit schulexternen Bibliotheken wird ständig gefördert.
Dieser schulischen „Lesekultur“ soll als pädagogisches Konzept in unserem Schulprogramm ein besonderer Stellenwert zukommen.
Leser haben Zeit:
- sie üben sich in Konzentration und Ausdauer
- Lesen produziert innere Bilder
- Leser sind kreativer
- weil sie ihr Vorstellungsvermögen ständig trainieren.
Möglichkeiten der Umsetzung für „Die lesende Schule“ Seitenanfang
Das Kollegium der GGS Oberwinzerfeld nimmt an Fortbildungen zur Leseförderung teil.- Im Rahmen unserer Projekttage führen wir in gewissen Abständen solche zum Thema „Die lesende Grundschule“ durch.
- Dazu können wir Klassenlesefeste oder Literaturtage evtl. mit einem Bücherflohmarkt feiern.
- 1-2 Klassenlektüren werden im Schuljahr von jeder Klasse gelesen. Die Auswahl treffen die Klassenlehrer/Innen mit den Kindern.
- Klassenbüchereien werden in jeder Klasse kontinuierlich aufgebaut. Hierzu kann zunehmend auch der Computer eingesetzt werden, in dem wir Computerdateien über die vorhandenen Bücher mit einer Kurzbeschreibung anlegen.
- Leseecken werden in jeder Klasse eingerichtet. Diese laden am unmittelbarsten zum Lesen ein.
- Wir bieten unseren Kindern individuelle Lesezeiten an. Es können freie Lesezeiten eingerichtet werden, in denen die Kinder nach eigener Wahl Bücher lesen.
- In Vorlesestunden können die Kinder selbst Bücher vorstellen, die sie für lesenswert halten.
- Wir stellen eigene Bücher / „Klassen - Bücher“ her. Für den Gebrauch in der Klasse sollte mehr und mehr auch der Computer genutzt werden. Selbst verfasste Bücher können am Computer geschrieben und gestaltet werden.
- Es werden evtl. Autorenlesungen oder Kinderautorenlesungen von unseren Kindern angeboten und durchgeführt.
- Präsentationen finden im Schulgebäude statt. Dies können Ausstellungen sein, z.B. Wandgestaltung, Bücherausstellungen, Litfaßsäule als „Lies-was-Säule“, Buchempfehlungen u.ä., oder auch Aufführungen sind je nach Thematik möglich: Theater, Tanz, Klangspiel, Schattenspiel, Musik, Film, Fotos u.ä.
- Kinderbuchvorstellungen und -empfehlungen in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Buchhandel/der örtlichen Bibliothek können organisiert werden.
- Büchereibesuche werden vorbereitet und durchgeführt. Wo immer es möglich ist, sollte es Teil eines wertvollen Literaturunterrichts sein.
- „Der Tag des Buches“, jedes Jahr im April, soll in entsprechender Weise in den Klassen gewürdigt werden.
- Die Einrichtung einer zentralen Schülerbücherei soll im Schuljahr 2007/2008 mit Unterstützung des Fördervereins und des Rings Winz-Baaker Vereine erfolgen.
Individuelle und ganzheitliche Förderung Seitenanfang
Nach den Bemerkungen über die heutige Kindheit dürfte es selbstverständlich sein, dass die Reihenfolge von „Bildung und Erziehung“, wie in den Richtlinien für die Arbeit in der Grundschule in NRW festgelegt, nicht einer Gewichtung entspricht. In jedem Falle, ob wir bilden oder erziehend einwirken, geht es um eine Hilfe für das Kind. Wie sind unsere Kinder also bestmöglich zu erziehen und zu bilden, damit sie die vor sich liegende Lebenszeit optimal bewältigen können? Dies wollen wir auf zweierlei Weise tun. Die individuelle Förderung geht einher mit einer ganzheitlich angelegten Förderung. Beide ergänzen sich zu einem Gesamtbild.
Die individuellen Voraussetzungen eines Kindes sind für uns der Ausgangspunkt unserer Bemühungen,- es in seinen musischen, körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Kenntnissen und Fertigkeiten anzunehmen und weiter zu entwickeln
- es in seinen sozialen Verhaltensweisen zu beobachten und so zu fördern, dass sein Verhalten das Selbstvertrauen stärkt und bei den anderen Kindern den Wunsch entstehen lässt, gern mit ihm zusammensein zu wollen
- es in seiner Lernfreude zu stärken, damit es immer wieder motiviert ist, die im Laufe des Schülerlebens bestimmt auftretenden kognitiven, emotionalen und sozialen „Stolpersteine“ erfolgreich aus dem Weg zu räumen
Unter ganzheitlicher Förderung verstehen wir, den uns anvertrauten Kindern unterrichtliche Angebote für alle Sinne zu machen, vielleicht populärer bekannt unter dem Schlagwort „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“. Kind- und handlungsorientierter Unterricht ist immer motivierender als andere Versuche, Lernziele zu erreichen. Häufig gehören solche Teilaspekte unterrichtlichen Vorgehens zum Schulalltag in unserer Schule, wenn z. B. beim Thema „Ritter und Burgen“, dessen Lebensbezug für uns Hattinger bei drei vorhandenen Burgplätzen evident ist, die Kinder aus Blechdosen, Schraubverschlüssen von Getränkeflaschen und Draht „ihre“ Blechritter bauen.
Neben diesem Hand-Bezug gibt es fast täglich Gelegenheiten, wenn nicht z. B. in einer Unterrichtseinheit „Freundschaft“ im 4. Schuljahr schwerpunktmäßig behandelt, dem emotionalen Herz-Bereich bei der Schlichtung von täglich vorkommenden Streitigkeiten oder beim Kitten von zerbrochenen Freundschaften nachzugehen. Ebenso gehören aber auch Unterrichtssequenzen aus dem musischen Bereich, den Fächern Kunst/Textil und Musik dazu, um Kindern emotionale Bereiche zu erschließen, die in ihnen bisher unbekannt oder nur verschüttet waren. Nicht vernachlässigt werden dürfen bei unserem Anspruch zudem die Teilaspekte der körperlichen Ertüchtigung, Stabilisierung und Selbstwahrnehmung, in der Hauptsache vermittelbar im Sportunterricht, jedoch auch im Sachunterricht teilweise realisierbar.Dass Schule Wissen vermitteln soll, ist unbestritten und muss nicht extra herausgehoben werden. Schule soll in heutiger Zeit das Lernen lehren. Dieses anzustrebende Ziel ist sicherlich nicht von heute auf morgen umzusetzen und hängt von vielen Bedingungen (u. a. von einem guten Lehrerstunden-Angebot) ab. Dennoch stellen wir uns ihm, indem wir unseren Unterricht in weitgehend kindgerechten und demokratischen Unterrichtsformen gestalten. Dabei bleibt es jedem Lehrer unbenommen, gemäß seiner pädagogischen Freiheit, dies mit den Formen der Partnerarbeit, des Gruppenunterrichts, der Wochenplan- und Freiarbeit und der projektorientierten Arbeit zu tun.
Ein weiteres Feld pädagogischen Handelns, das sicherlich auch im Zusammenhang mit der Förderung der uns anvertrauten Kinder gesehen werden muss, ist bei uns seit Jahren Standard: dass der Teamarbeit. Dabei arbeiten die Parallel-Klassenlehrer eng zusammen, stimmen sich in der Unterrichtsarbeit und im Stoffplan ab und haben dadurch gute Voraussetzungen, im Vertretungsfall die Kinder beider Klassen bestens zu versorgen.
